Influencer Marketing – überschätzte Power? Teil 1

UPDATE 2026  ·  Creator Marketing ist längst kein Nischenthema mehr. Entscheidend sind heute nicht bloß Follower:innen-Zahlen, sondern Audience Fit, Content-Qualität, Community, messbare Wirkung und eine glaubwürdige Markenbeziehung.

„Hallo meine Lieben, heute möchte ich euch ein großartiges neues Produkt vorstellen …“ – Produktvorstellungen gehören noch immer zum Creator-Alltag. Nur ist das Spielfeld inzwischen deutlich größer geworden: Auf TikTok, Instagram, YouTube, Twitch, in Podcasts und weiteren digitalen Formaten entstehen Reviews, Tutorials, Entertainment, Livestreams, Affiliate Content und langfristige Brand Partnerships. Creator:innen sind damit längst nicht mehr nur digitale Werbeträger, sondern Content-Produzent:innen, Community Builder und – je nach Kampagne – auch ein relevanter Teil von Performance Marketing und E-Commerce.

Die Themenvielfalt ist dabei nahezu grenzenlos: Beauty, Food, Gaming, Sport, Finanzen, Mobilität, Reisen oder B2B – für fast jede Nische gibt es Communities und passende Creator:innen. Genau darin liegt eine der großen Stärken von Creator Marketing: Marken können Zielgruppen nicht nur über demografische Merkmale, sondern über konkrete Interessen, Lebenswelten und Communities erreichen.

Aber: Ist Influencer Marketing nicht eigentlich ein alter Hut?

Nein, aber es hat sich weiterentwickelt. Statt Influencer Marketing nur als einzelne Produktplatzierung zu verstehen, sprechen viele heute umfassender von Creator Marketing. Denn erfolgreiche Kooperationen können weit über einen einzelnen Post hinausgehen: von Awareness und Community Building über Content-Produktion bis zu Affiliate- und Performance-Modellen.

Auch die Plattformlandschaft zeigt, wie etabliert Online-Video inzwischen ist. Im Online-Video-Monitor 2025 zählen YouTube, TikTok und Instagram aus Sicht deutscher Online-Video-Anbieter nahezu gleichauf zu den wichtigsten Verbreitungswegen für eigene Video-Inhalte. Gleichzeitig wird Influencer Marketing von 44 Prozent der Befragten als wichtiger Markttreiber genannt.

Creator:innen können Kaufentscheidungen beeinflussen. Besonders dann, wenn Zielgruppe, Content, Produkt und Absender glaubwürdig zusammenpassen. Entscheidend ist weniger die bloße Bekanntheit eines Accounts als das Vertrauen innerhalb seiner Community. Wer regelmäßig relevante Inhalte liefert, eine erkennbare Haltung zu seinem Themengebiet entwickelt und glaubwürdig mit der Community interagiert, kann Markenbotschaften deutlich natürlicher vermitteln als ein austauschbares Product Placement.

Für Unternehmen bedeutet das: Die Auswahl geeigneter Creator:innen sollte nicht bei der Reichweite beginnen und enden. Gute Partner:innen passen inhaltlich und tonal zur Marke, verfügen über eine relevante Community und können ein Produkt so integrieren, dass daraus Content mit echtem Mehrwert entsteht.

Ist Influencer gleich Influencer?

Bekannter heißt nicht automatisch besser. Nutzer:innen erkennen werbliche Kooperationen heute schnell und reagieren sensibel, wenn Produkt, Creator und Content nicht zusammenpassen. Der Markenfit bleibt deshalb einer der wichtigsten Faktoren. Eine Kooperation sollte sich nachvollziehbar in die bisherigen Inhalte eines Accounts einfügen und der Community einen Mehrwert bieten.

Auch kleinere Accounts können besonders interessant sein, wenn sie eine klar definierte Nische bedienen und dort eine aktive Community aufgebaut haben. Umgekehrt können reichweitenstarke Creator:innen sinnvoll sein, wenn eine Kampagne schnell breite Aufmerksamkeit erzeugen soll. Die passende Größe hängt deshalb immer vom Kampagnenziel ab.

Followerzahl? Hilfreich – aber längst nicht genug

Begriffe wie Nano, Micro, Macro oder Mega Influencer werden weiterhin verwendet, um Accounts grob nach ihrer Größe einzuordnen. Einheitliche Grenzwerte gibt es allerdings nicht. Vor allem sollte die Follower:innen-Zahl nicht mit tatsächlicher Wirkung verwechselt werden.

Für die Auswahl geeigneter Creator:innen sind heute mehrere Faktoren relevant: Zielgruppenüberschneidung und Audience Quality, durchschnittliche Views und tatsächliche Reichweite, Engagement und Qualität der Interaktionen, Content Fit und kreative Qualität, Brand Safety, Wachstumsmuster sowie die Performance vergangener Kooperationen. Je nach Kampagnenziel kommen außerdem Klicks, Leads, Sales, Affiliate-Umsätze oder die Qualität des produzierten Contents als Bewertungskriterien hinzu.

Kurz gesagt: Entscheidend ist nicht, wer die meisten Follower:innen mitbringt, sondern wer die richtigen Menschen tatsächlich erreicht und aktiviert.

Kurzfristige Kooperation oder langfristige Brand Partnership?

Vom punktuellen Push für einen Produkt- oder Kollektionslaunch bis zur langfristigen Markenpartnerschaft sind unterschiedliche Modelle möglich. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Frage, ob ein Reel, eine Story oder ein Feed-Post gebucht wird. Creator-Kooperationen können Organic Content, Affiliate-Modelle, Gewinnspiele, Events, Livestreams, UGC-nahe Content-Produktion, Paid Amplification und die Weiterverwendung von Creator Content auf Brand-Kanälen verbinden.

Damit rücken auch Nutzungsrechte stärker in den Mittelpunkt. Soll ein erfolgreicher Creator-Clip ausschließlich auf dem Kanal der Creator:in laufen oder darf die Marke ihn zusätzlich auf eigenen Kanälen oder in Paid Social einsetzen? Solche Fragen sollten bereits vor Kampagnenstart geklärt werden. Gleiches gilt für Laufzeit, Exklusivität, Freigabeprozesse, Deliverables, KPIs und Vergütung.

Eine Blaupause gibt es dafür nicht. Eine Awareness-Kampagne benötigt andere Creator:innen, Formate und Kennzahlen als eine performanceorientierte Affiliate-Aktivierung. Umso wichtiger ist es, zuerst das Kommunikations- und Business-Ziel zu definieren und daraus die passende Creator-Strategie abzuleiten.

Authentizität braucht Transparenz

Glaubwürdigkeit bedeutet auch, kommerzielle Kooperationen transparent zu machen. Für Social-Media-Angebote und andere Online-Medien gelten in Deutschland Kennzeichnungsvorgaben. Der aktuelle Leitfaden der Medienanstalten erläutert unter anderem, wann und wie werbliche Inhalte kenntlich gemacht werden müssen. Auch kostenlose Produkte oder andere Vorteile können einen kommerziellen Anreiz darstellen.

Transparente Kennzeichnung steht einer guten Creator-Kampagne dabei nicht im Weg. Im Gegenteil: Wenn Produkt, Creator und Story zusammenpassen, sollte die Kooperation auch dann überzeugen, wenn für die Community klar erkennbar ist, dass es sich um Werbung handelt.

Was kann Creator Marketing leisten?

Gut geplantes Creator Marketing kann unterschiedliche Ziele unterstützen: Markenbekanntheit aufbauen, Produkte erklären, Communities aktivieren, relevanten Content produzieren oder konkrete Performance-Ziele verfolgen. Welche Wirkung tatsächlich erzielt wird, hängt jedoch stark von Zielgruppe, Plattform, Creator-Auswahl, Kampagnenmechanik und Messmodell ab. Pauschale Aussagen wie „Influencer Marketing konvertiert besser als klassische PR“ greifen deshalb zu kurz. Beide Disziplinen erfüllen unterschiedliche Aufgaben und können sich sinnvoll ergänzen.

Gerade für Marken, die jüngere oder digital affine Zielgruppen erreichen möchten, bleibt Creator Marketing relevant. Gleichzeitig ist das Thema längst nicht mehr auf Gen Z und Millennials beschränkt. Entscheidend ist vielmehr, auf welchen Plattformen und in welchen Communities sich die jeweilige Zielgruppe bewegt und welche Personen dort tatsächlich Vertrauen genießen.

Der zentrale Gedanke bleibt damit auch 2026 derselbe: Reichweite allein macht noch keine erfolgreiche Kooperation. Wer Creator:innen nach Audience Fit, Content-Qualität, Community und Zielbeitrag auswählt und die Partnerschaft professionell aufsetzt, schafft die Grundlage für glaubwürdige und messbare Markenkommunikation.

Und wie sieht das in der Praxis aus?

In Teil 2 schauen wir uns an, wie unterschiedliche Creator-Modelle in der Praxis funktionieren – von Product Seeding und Affiliate über langfristige Brand Partnerships bis zu Events und Creator Content. Außerdem geht es darum, welche Modelle zu welchem Ziel passen und worauf Marken bei der Umsetzung achten sollten.


Wer jetzt schon Lust bekommen hat seine Marke oder sein Unternehmen auch auf Social Media mithilfe von Influencer:innen zu promoten oder einfach nur mehr zu diesem Thema erfahren möchte, kann sich gerne von den Kolleg:innen unserer Unit R&H CREATION beraten lassen: socialmedia@rothkopf-huberty.de

Wir freuen uns auf Euch! 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert