Die Festival-Evolution: So viel mehr als Livemusik und Dosenbier

Musik-Festivals sind in den letzten Jahren für eine ganze Generation zu einer Art Kurzurlaub geworden. Aber der Markt ist im Wandel. Wo früher zur perfekten Festival-Experience schon ordentliche Livemusik, ein Zelt und eine Palette Dosenbier gereicht haben, müssen Festivals heute mit individuellen Konzepten glänzen, um rundum zu überzeugen.

Wir sprechen heute mit Florian Pehle, unserem Senior Projektleiter Camel Festivals und Mitbegründer des Düsseldorfer Open Source Festivals, über die Entwicklung der Festival-Experience, gestiegene Ticket-Preise und die wichtige Rolle von Sponsoren im Festival-Bereich.

Hey Flo, danke, dass du uns für ein kurzes Interview zur Verfügung stehst. Wie hat sich für dich – als „alter Hase“ in der Branche – das Erlebnis „Festival“ in den letzten Jahren verändert?

Da hat sich einiges getan. Ich glaube, die meisten kennen noch das ganz bodenständige Festival-Leben: Zelt, Isomatte, Grill und Dosenbier waren das klassische Festivalbesteck, es wurde alles gegrillt, was 3 Tage ohne Kühlung ausgekommen ist, geduscht wurde drei oder vier Tage gar nicht und die Notdurft wurde mit viel Ekel im einfachen Dixi verrichtet.

Früher war das wichtigste dieser eine Headliner, den man unbedingt gesehen haben musste.  Heute geht es um ein großes Erlebnis, eine Gesamtinszenierung, die von den Besuchern auf sämtlichen Social Media-Kanälen abgefeiert wird.

Und wie zeigt sich das konkret auf dem Festival-Gelände?

Sagen wir mal so: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Auf den Campingplätzen sieht man top ausgestattete Busse, vollgepackt mit bestem Camping-Equipment, vom Aufklappbett bis zum Beefer Grill. Im Sanitärbereich gibt’s Dusch-Container mit Seifenspendern und Porzellan-WCs mit echter Wasserspülung. Auf dem Festival-Gelände stehen ordentliche Schließfächer für Wertsachen bereit und das kulinarische Angebot ist extrem vielfältig. Da finden sich neben Streetfood aus aller Welt auch vegane Pizza, Protein-Patty Burger oder Soja-Würstchen aus der Spezialmanufaktur.

Festival-Pro Florian Pehle

Mehr Annehmlichkeiten und ein komfortablerer Festival-Besuch für die Besucher, klingt ja erstmal super. Wie schätzt du diese Entwicklung ein?

Ja, definitiv, eigentlich eine feine Sache. Andererseits kostet die oben beschriebene Infrastruktur natürlich Geld, und zwar nicht wenig. Und das schlägt sich auch in den Ticketpreisen nieder. Die Frage, warum Festivaltickets so teuer geworden sind, begleitet uns allerdings bestimmt schon seit 15 Jahren. Eigentlich, seitdem wir für unsere Kunden Markenauftritte auf Festivals umsetzen. Das Phänomen ist also nicht neu, nur anders.

Interessant. Aber sind es nur die gestiegenen Erwartungen der Besucher, die die Preise so in die Höhe treiben?

Das ist definitiv ein großer Faktor. Außerdem ist die Branche extrem im Wandel. Streamingdienste haben sich durchgesetzt – wer hätte das vor 20 Jahren gedacht? 

Den Künstlern sind dadurch Einnahmen weggebrochen, für die es keinen Ersatz gibt. Streaming und Downloads sorgen nur für einen Bruchteil der Einnahmen, die früher durch CD-Verkäufe generiert wurden. Also wird auf der Einnahmenseite umverteilt: Rund 75% der Einkünfte werden durch Live-Auftritte reingeholt, um die ausbleibenden Einnahmen aus CD- und Plattenverkäufen zu kompensieren. Um das zu erreichen werden die Künstlergagen Jahr für Jahr nach oben geschraubt. Ariana Grande soll zum Beispiel auf dem Coachella Festival 2019 unglaubliche 8 Millionen US-Dollar an Gage erhalten haben. 

Mit welchen Kosten muss ein Besucher denn aktuell für ein komplettes Festival-Wochenende rechnen?

Ein Festivalticket inklusive drei bis vier Tagen Camping kostet heute um die 250 €. Mit weiteren 250 € muss man dann noch für An- und Abreise sowie Verpflegung rechnen. Das ist schon eine ganze Menge, gerade wenn man bedenkt, dass vor 20 Jahren noch unter 100 € für ein Festivalticket gängig waren.

Die Preisentwicklung ist inzwischen schon an einem kritischen Punkt angekommen, denn die Gesamtbesucherzahlen des Festivalmarkts in Deutschland nehmen seit ca. 4 Jahren leicht ab.  

Wie wirkt sich das auf deine Arbeit im Festival-Sponsoring und die Rolle von Festival-Sponsoren im Allgemeinen aus?

Im gleichen Maße wie die Ticketpreise sind auch die Erwartungen an die Sponsoren gestiegen. Mit plumpem Bannering und ein paar Euros für die Trinkgeldkasse beim Veranstalter kommt man als Marke, zu Recht, nicht mehr weit. Vielmehr sind nachhaltige und Mehrwert bietende Konzepte mit großem Unterhaltungswert gefragt, denn wie eingangs erwähnt ist ein Festival für die Besucher schon längst viel mehr als Dosenbier und laute Musik.

Sponsoren können mit Aktivierungen, die mitreißen und in Erinnerung bleiben, einen echt großen und wichtigen Teil des Festivalerlebnisses ausmachen. Außerdem sorgen Sponsoren mit ihrem Engagement dafür, dass Ticketpreise nicht noch stärker steigen, auch das ist ein riesiges Plus für die Besucher.

Auf der anderen Seite bieten Festivals natürlich für Marken riesige Chancen, sich einem jungen, aufgeschlossenen und interessierten Publikum in einem besonderen und emotionalen Umfeld zu präsentieren. Und wenn Marke und Festival zusammenpassen, der Sponsoring-Auftritt keine Wünsche offen lässt und die Kommunikationsmaßnahmen im Umfeld des Festivals passen, bedeutet das für Marken einen richtig krassen Impact.

Danke für deine Zeit, Flo!


Im Bereich Festivalsponsoring und der Entwicklung von Markenauftritten auf Festivals war Rothkopf & Huberty 1996 First Mover und hat als erste Agentur das Potential von On the Ground Auftritten auf Festivals erkannt und realisiert.

Mit inzwischen über 400 Sponsoringauftritten für zahlreiche Marken auf Open-Air-Festivals gehört Rothkopf & Huberty heute zu den Marktführern des Live-Marketing-Segments auf Festivals in Deutschland.

Festival-Sponsoring ist auch für deine Marke interessant? Dann kontaktiere Florian gerne direkt unter florian.pehle@rothkopf-huberty.de oder schau dir unser R&H Live! etwas genauer an!

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