Kategorie: R&H CREATION
Case Study: Ploom Planet
Der Markt der Tabakerhitzer erfreut sich weltweit wachsender Beliebtheit bei Konsument:innen, die nach Alternativen zur klassischen Zigarette suchen. Zu den bekanntesten Marken zählen in Deutschland u.a. IQOS von Philip Morris und GLO der British American Tobacco. Als neuer Player will sich nun auch JT International mit seiner Marke Ploom an der Spitze positionieren.
Daher soll der Markenlaunch des innovativen Tabakerhitzers Ploom X Advanced im Sommer 2024 zusätzlich zur Einführung am PoS, durch OOH-Kampagnen und digitalen Content sowie einem ikonischen Markenauftritt im Festivalumfeld maßgeblich unterstützt werden. Dieser muss den Anspruch haben die hohe Design- und Funktionsqualität des Produktes in der relevanten Zielgruppe live zu präsentieren. Neben dem Angebot, das Produkt in entspannter Atmosphäre ausgiebig kennenlernen zu können, soll der Markenauftritt den Markenkern von Ploom unter dem Motto „Truly unique“ nachhaltig erlebbar machen. Eine Herausforderung, der wir uns als Agentur mit über 30-jähriger Erfahrung im Bereich des Live Marketing in der Festivalszene nur allzu gerne angenommen haben – und dank der wir mit unserem Konzept in der Pitchphase klar überzeugen konnten.
Briefing: Von Pitch zum Parookaville
Für die Premiere des Festivalmoduls wurde passend zum PoS Launch das Parookaville Festival im Juli 2024 ausgewählt, um die Marke in der Target Group zeitgleich aufmerksamkeitsstark zu präsentieren. Denn das Festival zeichnet sich nicht nur durch die ebenso aufwändige wie detailverliebte Gestaltung aus, sondern bietet mit über 225.000 urbanen, aktiven und konsumorientierten Besucher:innen die perfekte Zielgruppe für die Neueinführung von Ploom X Advanced.
Das Ziel war klar: eine Brand Experience schaffen, die in diesem Kontext ein außergewöhnliches Erlebnis mit Nachklang bietet. Innovativ. Integrativ. Ikonisch. Ein Erlebnis, das, gemäß dem Markenkern, einzigartig aus der gesamten deutschen Festivallandschaft hervorsticht – und nicht weniger als die neue Benchmark in Bezug auf Design, Größe und Qualität darstellt. Mit Fokus auf maximaler Awareness für Brand und Image, soll der Auftritt dem Anspruch gerecht werden „Talk of the Town“ zu sein.

Für ein maximal integratives Erlebnis muss die Marke Ploom eine authentische Bereicherung des Festivals darstellen und einen Mehrwert für das Publikum über das Produkterlebnis hinaus bieten. Nicht simple Product-Promotion, sondern gut durchdachte Aktivierungen, eine einladende Atmosphäre und einzigartige Highlights, die die Festivalbesuchenden ansprechen, bilden die Eckpfeiler des zu planenden Festivalauftritts.

Die Mission:
- Aktive Begleitung der Launch-Phase
- Emotionale und erlebnisorientierte Markenkommunikation
- Positionierung der Marke in der Target Group
- Nachhaltige Brand Awareness & Brand Building
- Neuen Standard in der Festivalbranche in Bezug auf Brand-Appearance setzen
- …und das Erzielen der R&H bekannten Wow!-Momente
Konzeption & Design: Eine Linie, die verbindet
Vor dem Hintergrund des Briefings haben wir in unserer Konzeption von vornherein den gebräuchlichen Modulbau auf Basis von Seecontainern ausgeschlossen. Vielmehr stand bei uns die Suche nach einer individuellen Umsetzungslösung im Vordergrund, die die herausstechenden Merkmale von Marke, Produkt und Corporate Design vereint.
Als wichtigstes Merkmal wurde im Ergebnis unserer Überlegungen die Connector Line, die signifikanter Bestandteil des Ploom Logos ist, identifiziert. Die Connector Line prägt unseren architektonischen Entwurf nicht nur als visuell appliziertes Attribut, sondern wird durch die innovative Architektur selbst immer wieder zitiert.
In Form einer 123 Meter langen 3-dimensionalen Endlos-LED-Installation wird die Connector Line aufmerksamkeitsstarkes Designmerkmal des Moduls, das insbesondere in den Abendstunden ein leuchtendes Highlight setzt. Aber auch das Interior greift die Formsprache der Connector Line immer wieder auf – mal direkt, mal subtil, aber immer präsent.
Neben dieser gestalterisch, dekorativen Komponente sollte der „Ploom Planet“ aber auch durch die Architektur selbst überzeugen. Die architektonische Idee folgte der Connector Line und übertrug sie in ein freistehendes, dreidimensionales Format. Entstanden ist ein von allen Seiten zugängliches Modul, das formal sowohl aussen als auch innen von der Connector Line geprägt ist. Für die Integration von Aktivierungsmechanismen und innovativer Touchpoints wurden natürlich auch funktionale Aspekte wie optimale Zugangmöglichskeiten und Leitsysteme berücksichtigt.
Der „Ploom Planet“ stellt im Ergebnis eine interaktive Erlebniswelt dar, in der Information, Unterhaltung und Markenerlebnis nahtlos miteinander verbunden sind. Das maßgeschneiderte Konzept, mit dem über 17 Meter hohen Modul auf vier Ebenen, lässt die Marke Ploom mit allen Sinnen erleben – und ist aktuell der höchste begehbare Markenauftritt auf deutschen Festivals.

Nachhaltigkeit: Auch an Morgen denken
Bei einem zukunftsweisenden Vorhaben wie diesem, spielt das Thema Nachhaltigkeit natürlich eine tragende Rolle – sowohl für den Kunden JTI, als auch für uns als Agentur. Bei einem Bauvolumen von 93 Tonnen Stahl und einer Vielzahl weiterer zu verbauender Materialien setzten wir von Beginn an auf langlebige und wiederverwertbare Stoffe. Das beginnt beim Grundelement der Konstruktion, dem Stahl, bei dem wir ausschließlich recycelte Ware aus europäischer Produktion verwendeten und hört bei Baustellen-Bannern aus recycelten Materialien noch lange nicht auf. Ab diesem Jahr fahren unsere Promoter:innen zum Beispiel mit E-Fahrzeugen zu den Festivals.
Wir denken damit nicht nur an das Jetzt, sondern auch an zukünftige Markenauftritte, für die Ploom Vorreiter in Sachen Innovation und Nachhaltigkeit sein kann.
Durchführung: Time is tight
Mit diesem hohen Anspruch und der individuellen Herangehensweise, war die finale Entwicklung und Umsetzung des Standmoduls strategisch und konzeptionell eine extreme Herausforderung, die wir in nur knapp 9 Monaten erfolgreich bewältigt haben. Gemeinsam mit den von uns beauftragten und gesteuerten Partnern Konzeptsache (technische Planung) und fine! (Modulbau), wurde mit Hilfe modernster 3D-Modellierungssoftware jedes Detail bis hin zur Schraubengröße präzise berechnet und simuliert, um eine effiziente und sichere Montage vor Ort zu gewährleisten.

R&H Live!:
In der Umsetzung koordinierte unsere interne Ploom Crew nicht nur die verschiedenen Dienstleister:innen und hatte stets Timings, TÜV-Abnahmen fest im Blick, sondern entwickelte das Modul auch während der Bauphase stetig weiter. Parallel wurden vielfältige Aktivierungskonzepte ausgearbeitet, die Marke und Produktwelt nachhaltig zugänglich machen und die Brand Experience auf dem Ploom Planet perfekt abrunden.
Entscheidend für eine gelungene Aktivierung ist dabei die Symbiose aus den Anforderungen der Markenkommunikation in Kombination mit den Needs und Erwartungen der Festivalsbesucher:innen auf der Veranstaltung. Gelingt diese Symbiose wird ein Markenauftritt als integrativer Bestandteil einer Veranstaltung aufgenommen. Die Marke wird glaubwürdig und hat die Chance sich positiv zu verankern.
Das R&H Core Team, bestehend aus 7 Team Mitgliedern, hat aber nicht nur Design, Konstruktion und Entwicklung gesteuert, sondern auch die Durchführung vor Ort. Unterstützt von einem erfahrenen Team aus über 20 Spezialisten der unterschiedlichsten Fachbereiche wie: Montage, Messe- und Dekobau, Elektrik und Installation. Technisch wurde die Herausforderung mit zwei Kränen (160t und 120t), diversen Gelände- und Gelenk-Rotoren-Staplern bewältigt.
R&H Creation:
Zu der grundsätzlichen Entwicklung und Gestaltung des Moduls Ploom Planet gehören noch zahlreiche weitere Gestaltungsaufgaben. Beginnend mit größeren Aufgaben wie dem Interior Design, der Gestaltung von Möbeln, Flächen, Licht- und Sounddesign, bis hin zu einem Gebäudeleitsystem, Getränkekarten, Zugangsbändchen, Crew-Pässen, Beschilderungen, Sonnenschirmen, Timetable-Übersichten für den Ploom Heat Club, der offizielle Festival-Bühne ist, zahlreichen Giveaways und vielem mehr. Die Aufgabe von R&H Creation ist es die Marke Ploom in jeder Facette des Moduls angemessen zu repräsentieren und die Ploom Welt zum Leben zu erwecken.
R&H People:
Von unserem internen Recruitingteam wurden in den Wochen und Monaten vor der Premiere beim Parookaville Festival über 120 Promoter:innen gecastet. Die ausgewählten Promoter:innen und deren Supervisor:innen wurden in Live-Schulungen im Vorfeld direkt am Modul mit dem Promotionablauf vertraut gemacht. Daneben wurden ihnen zudem tiefe Einblicke in die Markenwelt von Ploom und deren Produkte gegeben. Unser geschultes Promotion-Personal fungiert also als Brand Ambassadors und verkörpert so in der direkten Interaktion mit den Gästen die Marke Ploom.
Mit diesem Wissen haben insgesamt über 80 Promoter:innen auf dem Parookaville und San Hejmo Festival für eine reibungslose Promotion der Brand gesorgt.

Aktivierungen: außergewöhnliche Touchpoints für langanhaltende Begeisterung
Neben dem Ploom Planet als visuellem Highlight, sind die Aktivierungen vor Ort von besonderer Bedeutung. Das Ziel ist, die Gäste über verschiedene Aktionen immer wieder mit der Marke in Kontakt zu bringen, um auf diese Weise die Werte der Brand zu transportieren.
- Produktberatung: geschultes Promotion-Personal stellt Gästen die Vorzüge und Funktionsweise der Ploom X Tabakerhitzer vor, gibt Test-Geräte aus und berät auch hinsichtlich der unterschiedlichen Tabaksticks. Ein interaktiver Taste Finder unterstützt die Besucher:innen dabei, den für sie geeigneten Geschmack aus dem Angebot herauszufinden.
- Lounge Area: Der Patio lädt die Besucher:innen in angenehmer Atmosphäre zum Verweilen ein. Im Rahmen eines entspannten Beratungsgespräches zu den Produkten, in dem unsere geschulten Brand Ambassadors die Marke erlebbar machen, erhält jeder Gast eine Kaffeespezialität oder alkoholfreie Getränke als Refreshment von der Ploom Experience Bar. Als Alternative gibt es Coins, die man in der Bar im Ploom Heat Club gegen alkoholische Getränke eintauschen kann.
- Engagement: Nach einer Kaufentscheidung können Ploom X Erhitzer an der Customizing Bar lasergraviert werden, während in der Ploom Art Xploration auf der 1. Etage ein interaktiver 5×3 Meter großer curved Touch-LED Screen darauf wartet, durch die richtigen Moves Content zu steuern und im optimalen Fall den Live Stream von der Hauptbühne freizugeben.
- Ploom Heat Club: Als exklusive Festival Stage locken im Ploom Heat Club renommierte Artists wie Jasmin Blust, Wankelmut, Paul Weber und viele weitere Acts die Gäste an. In Boiler-Room Atmosphäre vibriert der Ploom Planet für alle Partyanimals – Aber: Don’t be late. Die Kapazität ist begrenzt.
- Sky Lounge: Auf einer Plattformhöhe von 14 Metern begrüßt die Brand in der VIP-Lounge Influencer:innen, Presse und geladene Gäste mit exklusiven, hochqualitativen Drinks, Signature-Cocktails und einem erstklassigen Rooftop-Party-Gefühl, das es in dieser Form in der deutschen Festival Landschaft erstmals gibt.



Der Ploom Planet hat uns nicht nur geholfen, die Marke Ploom eindrucksvoll zu präsentieren, sondern auch eine direkte Verbindung zu unserer Zielgruppe herzustellen. Die Zusammenarbeit mit Rothkopf & Huberty hat uns durch Kreativität, präzise Planung und Professionalität überzeugt. Das Ergebnis spricht für sich und setzt neue Maßstäbe für Festivalauftritte.
Marc Thomsen, Leisure Channel Manager, JTI
Ergebnisse: Lasst Zahlen sprechen!
Nach der erfolgreichen Premiere des Ploom Planet beim Parookaville und San Hejmo Festival, zeigte sich auch in den Zahlen, dass Konzept und Umsetzung den gewünschten Erfolg erzielt haben:

- 70,98% Anstieg des Ploom Website Traffics im Vergleich zum Vormonat
durch den Parookaville-Auftritt - 1.537 neue Registrierungen im digitalen Ploom Club
- 1.034 Ploom Newsletter-Anmeldungen
- 34% Markenbekanntheit in der Zielgruppe durch die Festivalpräsenz*
- *Quelle: PAROOKAVILLE NIELSEN Umfrage | Juli 2024 | Brand Impact Survey | n = 6.076, S. 30 & S. 32
Auszeichnungen: Auch die Jury ist begeistert!
Der Ploom Planet ist das Ergebnis der effizienten Zusammenarbeit aller R&H Units sowie der externen Expertise unserer langjährigen Dienstleister:innen. Wir sind deshalb stolz bereits zwei renommierte Auszeichnungen für unsere Arbeit erhalten zu haben:
Den German Brand Award 2025 in der Kategorie „Excellence in Brand Strategy and Creation – Fairs & Exhibitions“ und den Deutschen Agenturpreis 2024 für „B2C Event (Festival)“
Die Reise des Ploom Planet ist aber noch lange nicht vorbei. Auch in den kommenden Jahren wird dieser für viele Highlights sorgen!
Be prepared.
Und zu guter Schluss: Danke an Alle, die bislang diesen Weg mit uns gegangen sind. An alle Crew-Mitglieder, Kolleg:innen, Freunde, Dienstleister:innen, Veranstalter:innen und natürlich unsere Kund:innen bei JTI für das Vertrauen und den Innovationsgeist so etwas Großes zu erschaffen. Danke!
30 Jahre – 30 Fragen: Das Interview mit Frank Rothkopf (Part 2)

Nach dem fulminanten ersten Teil unseres Interviews mit Frank Rothkopf geht es heute schon in die zweite Runde. Bisher haben wir ja schon einiges über die Anfänge der Agentur erfahren, wie es zum großen Sprung in die Festival-Szene kam und über die Kunden gesprochen, die dafür den Weg bereitet haben. Aber das ist natürlich noch längst nicht alles, was es zu erzählen gibt!
Also, was dürft ihr erwarten? Wie es so schön heißt „ein bunter Strauß Blumen“ mit weiteren spannenden Ein- bzw. Rückblicke in das 30-jährige Agenturleben von R&H, noch mehr Anekdoten und natürlich lassen wir noch ein paar mehr Kolleg:innen zu Wort kommen.
Es geht jetzt also munter weiter. Und ab dafür!
30 JAHRE – 30 FRAGEN AN FRANK ROTHKOPF (PART 2)
Wir haben im ersten Teil ja schon viel über den Wandel der Agentur gehört. Von mal mehr, mal weniger Beschäftigten. Das hat sich doch bestimmt auch in den Räumlichkeiten widergespiegelt, oder? Vom Kellerloch wissen wir ja bereits.
Souterrain, bitteschön. (Er lacht und denkt an die Toilette, die sich in der Küche hinter einer Falttür verborgen hat. Wohl doch eher Kellerloch…) Als wir von der Heinrichstraße ausgezogen sind, sollten wir noch ein paar Mal die Büros wechseln, bevor wir in unseren jetzigen Räumlichkeiten heimisch geworden sind. Darunter war auch eine sehr bekannte Immobilie, die nach unserem Auszug zu einem SM-Studio mutierte. Das haben wir durch Zufall mitbekommen und mussten dann schon sehr lachen. Vor allem im Keller schien da einiges abzugehen…
Oje, na ich hoffe da unten wurde niemand von uns vergessen… Aber nutzen wir das mal als Überleitung:
Ich habe ja schon viel von diesen ominösen Agentur-Partys gehört. Jetzt musst du mal aus dem Party-Nähkästchen plaudern, was es denn damit auf sich hat.
Tja, also unsere Partys, die waren schon recht legendär… Wir haben damals auf der Fichtenstraße, wo die Agentur auch mal in den ehemaligen Vorstandsetagen der Rheinmetall untergekommen ist, in den alten Lagerhallen des Industriegeländes gefeiert. Die waren schon reichlich abgerockt. Kräne und ein alter Kram standen herum, bisschen gedimmtes Licht. Das hat einfach direkt eine super Atmosphäre gehabt und dort haben wir dann die ersten Promotor:innen-Partys geschmissen. Friends & Families waren ebenfalls eingeladen. Die haben dann auch nochmal Freund:innen mitgebracht. Dann kamen unsere Kund:innen noch dazu. Geschäftspartner:innen.
So ist das über die Jahre zu einem richtigen Event geworden.
Und es gab halt immer enorm viel Alkohol, was sich in wilden Tanzeinlagen und auch gerne mal am nächsten Morgen in den verschiedensten „Ausprägungen“ zeigte. Die leckeren Details erspar ich dir.

Danke, ich kann mir in etwa denken, worauf du hinauswillst… Und bevor du doch noch mit Einzelheiten rausrückst, schlag ich einen schnellen Themenwechsel vor: Du bist ja jemand mit dem man sich gerne unterhält; kurz mal abschweift und dann gemeinsam schaut, wo die Reise hingeht. Dieses Interview ist vielleicht der beste Beweis dafür. Gibt es denn auch eine Eigenschaft an dir, von der du manchmal denkst, die könnte was nervig sein?
… Diese Frage musst du mir beantworten.
Ich glaube, ich bin an sich ein recht verträglicher Zeitgenosse, oder?
… Defintiv, aber...
… Aber?
… Aber deine Ungeduld bis jemand den Satz beendet hat ist manchmal schon bewundernswert…
(Die Interviewerin zieht an dieser Stelle eine Grimasse, die wir nicht näher beschreiben wollen.
Der Interviewte trinkt verschmitzt einen Schluck aus der Kaffeetasse. Contenance.)
Spaß beiseite, dies soll schließlich den vagen Anschein eines seriösen, ernstzunehmenden Interviews haben…
Gehen wir also mal besser zur nächsten Frage über. Vielleicht ist diese allerdings ein bisschen fies: Aber wenn du jetzt nochmal zurückblickst, was war dann dein absolutes Lieblingsprojekt? Also das Projekt, an das du dich erinnerst als wäre es gestern gewesen?
Es gibt zwei Projekte, die total geil waren. Also einmal das LAMY plus Sortiment, von dem ich dir bestimmt noch gleich erzähle, und dann definitiv das „Drum Inside Festival“. Die Überlegung war, wie wir es schaffen können, die Zeit bis zur eigentlichen Festival-Saison zu verkürzen. Schließlich spielt sich die gesamte Live-Festival-Kommunikation immer nur in diesen wenigen Wochen im Sommer ab. Also mussten wir irgendwie den Winter verkürzen. Daher kam uns die Idee des Drum Inside Festivals, also einem Festival in einer Halle, das aber alles mitbrachte, was man auch Outdoor erwarten würde. Dazu haben wir das Stahlwerk hier in Düsseldorf gemietet, echten Rollrasen in der Halle ausgelegt, eine Bühne reingebaut und die Wände mit riesigen Bannern abgehängt, die so ein Open Air Feeling darstellten. Im Vorraum gab es ein Bierzelt und Draußen konnte man Campen. Die Acts waren natürlich auch nicht übel, u.a. waren die Donots dabei, die ja auch aktuell wieder Festivals spielen. Die 2.500 Tickets waren jedenfalls ruck zuck weg.


Plakat Drum Inside

Wow, das klingt aber echt nach einem Highlight!
War es auch! Das Geile war halt, dass man in diese Halle reingekommen ist und man direkt Rasen unter seinen Füßen hatte. Und dazu kam dieser olfaktorische Effekt und das ganze Drumherum. Da hattest Du einfach instant Festival Feeling. Das war schlicht mega!

Du hast ja schon angerissen, dass ihr neben Festival auch ganz klassische Kommunikation, u.a. für unterschiedliche Logistikunternehmen, gemacht habt. Über die Jahre kamen dann immer mehr Kunden hinzu. Die Aufgabenfelder wurden vielfältiger. Das Team größer. War das ein geplanter Schritt oder wie hat es sich dazu entwickelt?
Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass wir vor allem mit den Anforderungen, die an uns gestellt wurden, gewachsen sind. Insbesondere LAMY hat hier großen Einfluss auf unsere Entwicklung genommen. Ich hatte einen sehr guten Draht zur damaligen Marketingleitung des Unternehmens und uns wurden zahlreiche Projekte übertragen, in die wir uns erstmal richtig reinfuchsen mussten. Aber wie mit allen Aufgaben, haben wir uns sehr ernsthaft damit auseinandergesetzt und versucht, das, was wir machen, so gut wie möglich zu tun. Und das hat funktioniert.
Zu letztem kommen wir gleich noch einmal zurück, dass ist nämlich sehr spannend. Jetzt würde ich nur gerne noch die Geschichte hören, wie LAMY überhaupt zu euch gekommen ist.
Das ist ja auch schon wieder so eine Story! (Er lacht) Also tatsächlich ist der Kontakt über eine Empfehlung zustande gekommen – und jetzt kommt’s: von dem Geschäftsführer einer der Agenturen, die wir damals in den ersten Jahren im Pitch um Drum geschlagen haben! Das soll schon was heißen, oder?
LAMY suchte damals eine junge Agentur, die ein bisschen frischer denkt als die Hausagenturen. Da hat sich der Mann tatsächlich wieder an „diese Typen aus Düsseldorf“ erinnert, die ihn so schrecklich gut aus dem Rennen geworfen haben, und uns so kurzerhand die Tür zur wunderbaren Welt der Schreibgeräte eröffnet. Das muss so…oh lass mich nicht lügen, 1999 gewesen sein?
Also ich muss mich wiederholen: Ihr habt echt Eindruck hinterlassen! LAMY ist also auch schon länger mit an Bord. Stammkunde sozusagen. Für dich als Diplom-Designer war der Gewinn dieses Kunden sicherlich besonders schön, oder? (Just in diesem Moment hält die Redakteurin stolz ihren neuen LAMY safari hoch, Timing kann sie!)
Tja, was soll ich sagen? Da geht es um zeitloses, nachhaltiges Design und wer mich kennt, der weiß, dass das genau mein Ding ist. Mit den Jahren haben wir für LAMY dann die unterschiedlichsten Projekte und Events umgesetzt. Von ganz klassischer Markenkommunikation mit dem Schwerpunkt POS, über die Betreuung der verschiedenen Social-Media-Auftritten bis hin zur Umsetzung der LAMY World Conference war wirklich alles dabei. Und mit jeder neuen Challenge sind wir weitergewachsen. Rückblickend ist das schon ganz cool gelaufen.
Gab es darunter ein Projekt, dass bei dir ganz besonders Eindruck hinterlassen hat?
Da muss ich tatsächlich gar nicht lange überlegen. Das war, als LAMY beschlossen hat das Produktangebot um Mal- und Zeichenutensilien wie Farbstifte und Deckfarbkästen zu ergänzen. Schließlich lernt damit jeder wie man einen Stift hält, ne? War also ein ganz guter Move. Noch besser war jedoch, dass sie uns für das damals noch namenlose Projekt die gesamte visuelle Gestaltungsentwicklung übertragen haben. So richtig von A bis Z! Von der Konzeption und Realisation des Verpackungsdesigns bis zur Kommunikation im Fachhandel und Online sowie der letztendlichen Namensentwicklung, beruht das plus Sortiment auf unseren Ideen.


Ein anderes Projekt, dessen Konzeption und Realisation richtig Spass gemacht hat, war, als wir mit LAMY ihren ersten Festivalauftritt beim „A Summer’s Tale Festival 2019“ umgesetzt haben. Am gesamten Festival-Wochenende hatten die Besucher:innen die Möglichkeit an verschiedenen Aktivierungen teilzunehmen; alles zusammengefasst unter dem Hashtag #schreibGeschichte.
Von kreativen Workshops zum Thema Bullet Journaling und Kalligrafie bis zur Feder-Teststation und der Möglichkeit Postkarten direkt vom Festival nach Hause zu schicken, war echt viel für die Gäste geboten. Besonderes Highlight: Man konnte vor Ort seinen ganz individuellen LAMY safari Füller customizen. Kam irre gut an!
Verlassen wir jetzt aber mal LAMY und gehen nochmal zurück auf die Entwicklung anderer Bereiche bei R&H. Vorhin hast du es schon kurz angerissen. Jetzt darfst du gerne länger ausholen.
Die Aufforderung nehme ich gerne an (Er lacht erneut). Ich glaube, wir haben darüber gesprochen, dass wir mit den Anforderungen der Kunden und Kundinnen auch unsere Kompetenzen weiter ausgebaut haben, richtig? Und das war natürlich nicht nur so bei LAMY, sondern auch, und vielleicht insbesondere, im Live-Bereich. Wir haben ja immer schon im Rahmen der Promotion-Aktivierungen das entsprechende Personal für die Festivals gestellt. Allerdings haben wir das nie über die aktuellen Aufträge hinaus professionalisiert, sondern immer nur unseren eigenen Bedarf gedeckt. Das Feedback unserer Kunden zu unseren Promotor:innen war jedoch im Vergleich zu Mitbewerbern aus der Branche in der Regel erheblich besser. Die strategische Entscheidung daraus einen eigenen Bereich, nämlich unsere R&H People Unit, zu entwickeln, war dann irgendwann sehr naheliegend. Denn letztlich wollten wir immer schon auch ein konkretes Produkt haben, wo du genau weißt, was du wann kriegst. Und das kannst Du dann kaufen oder auch nicht. Mit R&H People haben wir genau dieses Ziel erreicht und können für jede Veranstaltungsart professionelles und passendes Personal zur Verfügung stellen.
Damit habt ihr euch also noch ein zusätzliches Standbein aufgebaut. Sicher ist sicher. Aber in 30 Jahren Rothkopf & Huberty kann es ja nicht nur Highlights gegeben haben. Wir haben im ersten Teil des Interviews schon über ein paar, ich sag mal mittelschwere Rückschläge gesprochen. Jetzt hatten wir zusätzlich noch mit einer weltweiten Pandemie zu kämpfen, die ja gerade dem Live- & Kulturbereich schwer zugesetzt hat. R&H ist dabei relativ gut durch die Krise gekommen, richtig?
Ja, das würde ich so unterschreiben. Ich glaube für jemanden, der im Veranstaltungsbereich aktiv ist, haben wir ziemlich viel ziemlich gut gemacht. Wir haben schnell, flexibel und konsequent auf die Ereignisse reagiert und sind deshalb gut durchgekommen. Oh, darf ich an dieser Stelle noch was Wichtiges loswerden?

Ja klar, Frank. Das ist deine Bühne. Bitte.
Super, denn ich möchte auch noch mal allen Mitarbeitenden danken, die während dieser Zeit so viel Verständnis gezeigt haben! Also euch, die ihr alle mit uns am selben Strang gezogen habt.
Diese Ausnahmesituation hat uns alle vor ganz neue Herausforderungen gestellt und zurückblickend haben wir das gemeinsam echt gut gemeistert. Denn ohne ein gutes Team bist du einfach nichts. Das darf man nie vergessen!
Und diese Situation hat uns einfach gezeigt, dass der Zusammenhalt, den wir intern haben, auch funktioniert wenn es mal nicht ganz rund läuft. Und darauf bin ich mehr als stolz.
Das ist so schön, dass du das sagst. Das Tolle ist ja, dass R&H während dieser Zeit nicht nur zusammengehalten hat, sondern dass wir unmittelbar danach viele neue Teammitglieder gewonnen haben. Eher ungewöhnlich in Anbetracht der Lage.
Guter Punkt. So verrückt, wie das alles war, haben wir zudem das „fast“ Unmögliche geschafft und während der Pandemie in einem Pitch den Kunden JTI von uns überzeugen können.
Mit dem damit einhergehenden Wechsel von einem unserer Festival-Großkunden sind wir einen großen Schritt eingegangen, der sich aber ausgezahlt hat. Wir konnten trotz vieler Beschränkungen, Hygienemaßnahmen und wechselnden Corona-Bestimmungen 2021 doch knapp 100 Promotion-Aktivierungen mit unseren Supervisor:innen und Promoter:innen bei Corona-konformen Konzerten und Veranstaltungen umsetzen. Das Highlight war dann aber natürlich das Panama Open Air, das Ende des Jahres stattgefunden hat. Zwar nur in abgespeckter Version, aber es fühlte sich schon wieder verdammt nach Festival-Atmosphäre an als wir da unseren Stand endlich aufbauen und richtig bespielen konnten.
Aber jetzt schau doch mal in deine imaginäre Kristallkugel und sag uns, was du siehst. Nicht unbedingt für die nächsten 30 Jahre, so vermessen bin ich nicht, aber sagen wir mal für die nächsten 5. Was wird sich da deiner Meinung nach tun oder tun müssen?
Es gibt eine große Herausforderung – und diese Herausforderung lautet, wie sie schon immer gelautet hat: Wir müssen besser werden im Akquirieren. Ich glaube, dass wir ein gutes Paket anbieten, wir uns aber nicht zu sehr nur auf unsere Bestandskunden verlassen dürfen. Die Welt ist schließlich schnelllebig und Dinge ändern sich rasanter als noch vor 30 Jahren.
Meine Vision ist, dass wir uns langfristig noch viel stärker und konsequenter auf den Live-Bereich fokussieren. Bisher haben wir immer mehrere Sachen gleichzeitig gemacht, aber ich denke, dass wir uns jetzt noch stärker mit dem Live-Thema positionieren sollten, da das etwas ist, was wir erwiesenermaßen sehr gut machen. Zusammen mit anderen Bereichen wie der Creation, PoS oder Social Media bieten wir alles, was es braucht, um Live-Erlebnisse perfekt zu ergänzen und ein Kommunikationspaket zu liefern, das wirkt.
Wir sind nur einfach nicht bekannt genug und das müssen wir ändern. Und wenn das bedeutet, dass wir nochmal Schächtelchen falten und Pakete schnüren, dann machen wir das!

Das ist ein Plan! Ich besorg dann schonmal den Bastelkleber.
So, eine schnelle letzte Frage: Würdest du alles nochmal genauso machen?
Nein. (Er wartet kurz, bevor er verkündet:)
Ich würde mehr darüber reden, wie gut wir sind, denn das haben wir nie wirklich gemacht und das ist ein Fehler!
Frank, was ein Abschluss! Es war mir eine Ehre, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast und ein bisschen aus deiner Schatztruhe an 30 Jahren R&H Agenturhistorie die ein oder andere (Geschichts-)Perle herausgesucht hast. Hätten wir noch zwei Stunden drangehangen, wären dir sicher noch weitere „unmöglich mögliche“ Anekdoten eingefallen.
Und wie es immer so ist, man kann nicht jedes Projekt, jede Herausforderung, jeden Kunden oder jedes Highlight besprechen – ihr seid nicht vergessen, versprochen!
Danke an dieser Stelle auch nochmal an alle, die geholfen haben, R&H dahin zubringen, wo wir heute stehen. An diejenigen, die diese Interviewreihe zusätzlich unterstützt haben; Material rausgesucht und Ideen geliefert haben.
ABER wir sind noch nicht ganz am Ende der Reise. Marc Lütkemeier, der seit nunmehr auch über 20 Jahren an Bord ist, darf natürlich bei dieser Jubiläums-Interviewreihe nicht fehlen. Seine Einblicke in die Agenturgeschichte bekommt ihr dann im dritten und letzten Teil präsentiert. Bis dahin, habt eine schöne Woche!
30 Jahre – 30 Fragen: Das Interview mit Frank Rothkopf (Part 1)
Herzlichen Glückwunsch – R&H wird 30! Sollten wir das feiern? Und wie wir das sollten! Schließlich ist das eine Hausnummer, die erstmal erreicht werden will!
Vielleicht fragt ihr euch, wie es dazu kam, dass wir heute da stehen, wo wir stehen –
und uns insbesondere als Agentur für Livemarketing einen Namen gemacht haben? Verrückt, denn genau dasselbe hat sich die Redakteurin dieser Interview-Reihe auch gefragt und sich kurzerhand Frank Rothkopf, einen der OGs („Original-Gründer“) der Rothkopf & Huberty Werbeagentur GmbH, geschnappt. Denn wie es unser Agenturname leise andeutet, ist er als einer der Namensgeber seit Beginn an auch geschäftsführender Gesellschafter. Wenn also jemand Bescheid weiß, dann er!
Mit dieser Vorgeschichte hat er sich auch das Vorrecht ergattert, uns als erster Rede und Antwort zu stehen und ein bisschen aus dem guten, alten Nähkästchen zu plaudern. Von den spannenden, leicht chaotischen Anfängen bis zum Best-of des Agenturlebens. Dabei ist eins klar: Mit einer handvoll Fragen können wir dieses Lebenswerk nicht mal eben abdecken. Also haben wir uns diese prominiente „30“ als Aufhänger geschnappt und kurzerhand ein etwas längeres, aber wahnsinnig unterhaltsames Gespräch mit unserem Frank Rothkopf geführt. Den ersten Teil des Interviews könnt ihr euch jetzt direkt zu Gemüte ziehen. Teil 2 folgt dann zeitnah.

Und damit dieses Intro nicht länger wird als das Interview, starten wir jetzt einfach mit:
30 JAHRE – 30 FRAGEN AN FRANK ROTHKOPF (PART 1)
1993 – das Jahr, in dem alles begann. Aber wie begann es überhaupt? Frank, wie kam es dazu, dass du und dein ehemaliger Kollege Philipp Huberty die Agentur gegründet habt? Was war der Auslöser? Erzähl mal.
Rüttelplattenverdichter. Man könnte sagen, der Auslöser waren Rüttelplattenverdichter… Aber vielleicht fange ich besser mal von etwas weiter vorne an. Philipp und ich waren in den 90igern als Team für verschiedene Agenturen tätig. Er im Bereich der Konzeption, ich für visuelle Kommunikation – denn ich bin ausgebildeter Diplom-Designer. Eines Tages erhielten wir mal wieder ein Briefing von der Agentur, für die wir aktuell arbeiteten: eine Broschüre sollte erstellt werden – für eben jene Rüttelplattenverdichter. Und als wir da so saßen in unseren Lieblings-Fischrestaurant in Kaiserswerth und uns ein passendes Konzept überlegen wollten, kam uns die Erleuchtung. Nur anders als erwartet.
Die Erleuchtung? Das klingt ein bisschen als wäre da vielleicht auch ein Glas Wein im Spiel gewesen?
Möglich… Aber am Ende zählt nur das Ziel und das war an diesem Abend klar: wir haben uns nicht für den Rest unseres Lebens als anonyme Broschüren-Gestalter für Baumaschinen und Co. gesehen. Also stellten wir uns die Frage, ob wir nicht einfach mal was Eigenes versuchen sollen und haben unseren sicheren Job an den Nagel gehängt.
Okay, aber so ganz ohne Seil und doppelten Boden ist das ja ein ziemlich gewagter Schritt in die Selbstständigkeit, oder?
Sagen wir es so, unsere Entscheidung jetzt unser eigenes Ding zu machen, war nicht so ganz aus der Luft gegriffen. Ich hatte kurze Zeit vorher zufällig einen Erfinder kennengelernt, der ein innovatives Verhütungsmittel für den Mann entwickelt hatte – jedoch ohne die notwendigen klinischen Studien. So kam es, dass wir trotz der groß angelegten Kampagne, zahlreichen Veröffentlichungen, Fernsehauftritten und Radiointerviews, die erhofften Millionen für uns dann doch ausblieben. Faktisch haben wir nichts monetäres an dem Job verdient, aber gesehen, dass wir durchaus in der Lage sind, unsere Kompetenzen werbewirksam einzusetzen. Bei unserer alten Agentur hatten wir eh gekündigt. Es gab also nur den Schritt nach vorne.
Das heißt es wurde ernst?
Ja, am 01. April 1993 wurde dann die Rothkopf & Huberty Werbeagentur geboren – und zwar an den begehrten Agentur-Hotspots Essen und Korschenbroich; Abfahrt Flur – Richtung Wohnzimmer… Von diesen beiden Standorten ausgehend haben Huberty und ich, in Zeiten, wo es noch keine E-Mail gab, begonnen unsere Agentur aufzuziehen. Wir mussten ja erstmal einen Kundenstamm aufbauen. Aber wie? Tja, und dann kam die erste sagenumwobene Broschüre ins Spiel.

Das klingt nicht danach, als wärt ihr auf ein klassisches 08/15 Faltblatt gegangen…
Stimmt genau! Unsere Überlegung war, dass die Broschüre natürlich Aufmerksamkeit erregen soll – und eine Broschüre, die Aufmerksamkeit erregt, ist nicht einfach ein gedrucktes Produkt, sondern ein visuelles Erlebnis. Individuell gestaltete Seiten, mit denen man interagieren kann, mit Holzbindung, verstärkt mit Schrauben und eingebundenen in offener Wellpappe.
Da war die Konzeption des Ganzen noch der einfachste Teil, aber bekomm 1993 mal ne offene Wellpappe!
(Anm. d. Red: aus Platzgründen wurde der Exkurs über Wellpappe der 1990iger Jahre, deren Zusammensetzung und Beschaffung gestrichen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an Frank Rothkopf oder Ihren lokalen Wellpappe-Dealer.)
Zum Glück habt ihr aber doch noch die passende Pappe bekommen! Insgesamt gab es von dieser „Broschüre“ 100 Exemplare, die ihr da in Heimarbeit angefertigt habt. Hat sich der Aufwand denn gelohnt?
Naja, die Rückmeldequote war eher mau, unser Erspartes neigte sich langsam dem Ende zu und so mussten wir uns überlegen, wie es weiter gehen soll. Die zwei Standorte waren jedenfalls nicht zielführend. Daher mieteten wir unsere ersten Agenturräume für schlanke 400 Mark in einem Kellerraum in Düsseldorf an. Und da uns das tagelange Zocken von Videospielen auch nicht die erhoffte Kundschaft brachte, mussten wir dann selbst zum Telefon greifen. Wir standen schließlich mit dem Rücken zur Wand. Wenn wir jetzt keine Kunden gewinnen, dann machen wir zu, bevor wir richtig aufgemacht haben.
Oha! Da wir jetzt, 30 Jahre später, dieses Interview führen, muss sich deine Akquise-Tätigkeit wohl ausgezahlt haben?
Kann man so sagen. Von den 100 oder 110 Leuten, die wir angerufen habe, gaben uns 27 Termine. Gut, viele wurden dann doch wieder kurzfristig abgesagt. Aber bei den verbliebenen war dann auch die Drehtabakmarke Drum dabei – und die sollte unsere Agentur ordentlich umkrempeln.
Der Startschuss für R&H wie wir es jetzt kennen?
Sozusagen, aber auch hier war – wie so oft bei R&H – der Zufall unser Wegbereiter. Nachdem wir uns dem Marketingleiter von Drum – damals Weltmarktführer im Bereich Drehtabak – als klassische Agentur vorgestellt haben, stellte er uns DIE Frage, weshalb wir heute als Agentur für Livemarketing bekannt sind, nämlich: „Könnt ihr auch Event?“ und wir so: „Na klar!“, denn das Wasser stand uns echt bis zum Hals. Bei dem saftigen Etat, der dabei im Raum stand, konnten und wollten wir nicht nein sagen. Und so hatten wir dann plötzlich die Chance als völlig unbekannte Zwei-Mann-Agentur an einem lukrativen Pitch teilzunehmen.
Lass mich kurz die Spannung vorwegnehmen: Wir gingen als Sieger hervor. Denn zu dieser Zeit sah Live-Marketing immer gleich aus. Die renommierten Agenturen kauften sich als Sponsor bei irgendwelchen großen Konzert-Giganten wie den Rolling Stones oder der guten alten Tina Turner (RIP) ein und dann war das Geld auch schon verprasst. Da fiel unsere Idee der Groovin‘ Docks Boat Party schon so ziemlich aus dem Rahmen.






Das klingt nach dem ersten Highlight für Rothkopf & Huberty. Erzähl mal, was wir uns darunter vorstellen dürfen.
Wir wollten etwas machen, über das noch lange, nachdem es schon vorbei ist, gesprochen wird. Etwas, das den Leuten im Kopf bleibt. Ein Markenerlebnis, wenn du das so nennen magst. So kreierten wir für Drum eine eigene Bootparty-Veranstaltungsreihe. Ein von uns umgebauter Kohlefrachter wurde zur Konzertbühne mit Bar und allem Pipapo. Er diente dann als schwimmende Konzert- und Partylocation in insgesamt 16 Städten. Einmal rauf von Frankfurt bis nach Berlin in 6 Wochen. Also ja. Das kann man wohl als Highlight bezeichnen, denn Partys auf Booten gab es damals in der Form, anders als heute, nicht. Unser Nachhaltigkeits-Plan ging übrigens auch auf. Noch Jahre danach wurden wir immer wieder von Kund:innen und Mitbewerber:innen darauf angesprochen. (Da grinst er)
Zwar haben wir nach dieser Tour keine Partyboote mehr in See stechen lassen, aber die Themen „Live“ und „Musik“ waren für die Marke Drum nach wie vor wichtig. Statt klassischem Konzertsponsoring kam uns damals das Thema Festivals in den Sinn. Drum war begeistert und damit waren wir die ersten, die 1996 das Thema Festivalsponsoring mit großem Markenauftritt in Modulform neu interpretiert haben. Und deswegen dürfen wir uns heute auch mit ein bisschen Stolz „First Mover“ in diesem Bereich nennen. Schließlich hatte bis dahin niemand das volle Marketing-Potential von Festivals erkannt oder wirklich viel da rein investiert. Da waren wir Vorreiter.
Wie es sich manchmal einfach so fügt … schon verrückt. Wow, jetzt haben wir auch einen Großteil der Fragen für den ersten Interview-Teil schon hinter uns gebracht. Wenn ich mir das so anschaue, dann haben wir hier fast schon die Länge von einer ZEIT- Extrabeilage erreicht. Aber dann natürlich nur echt aus Holz mit Schräubchen und Wellpappe…
Hammer! Aber bevor wir zu den letzten Fragen kommen: hab‘ ich dir eigentlich von unserem Sensationsmailing erzählt? Das kam nämlich nach der Wellpappe-Aktion, wo du das hier gerade nochmal erwähnt hast. Also, so viel Zeit muss sein.
Nachdem das erste Mailing uns doch einige Kontakte beschert hat, wollten wir mit dem zweiten noch eins draufsetzen. Also haben wir uns was ganz Besonders überlegt. Getreu dem Motto: steter Tropfen höhlt den Stein haben wir über einen Zeitraum von 10 Wochen jede Woche ein kleines Paket an unsere Wunsch-Unternehmen verschickt. Insgesamt also 10 Stück, die man zum Schluss noch in einen passenden Schuber stellen konnte. Jede Schachtel war etwa DIN A5 groß und verkörperte eine ganz eigene Thematik. Da war zum Beispiel das Konzept-Mailing, wo drinstand: „Hier haben wir Ihnen schon mal ein paar Ideen beigelegt. Sie müssen nur noch die Buchstaben sortieren.“ Und dann lagen da einfach Buchstaben-Nudeln drin. Oder das Think big Mailing. Da war ein auf DIN A6 kleingefaltetes Poster drin, das auseinandergefaltet doppelte DIN A0 Größe hatte. Der Slogan: „Hier sieht man, dass eine kleine Agentur auch große Sachen machen kann.“ Nur so Dinger halt.

Und den Leuten hat es gefallen – größtenteils jedenfalls… Wir haben öfter gehört, dass das das beste Mailing war, was sie je bekommen haben. War ja auch ein ganz schöner Aufwand, ne? Nur einer, der fühlte sich von dem Mailing„bedroht“ und bat uns davon Abstand zu nehmen im Päckchen zu schicken. War ihm wohl zu extra. (Er lacht) Aber du wolltest mich doch was fragen? Endspurt?
Endspurt. Machen wir hier also einen harten Cut und springen ins Jahr 2007. Huberty hat zwischenzeitlich die Agentur verlassen, ein neuer Geschäftsführer ist an deine Seite getreten.

Damit einhergehend wurden auch neue Kunden aus anderen Bereichen, darunter C. Josef LAMY und TNT Express akquiriert. Parallel habt ihr für Drum weiterhin sehr erfolgreich Festivalpromotion betrieben – und das dann schon seit 13 Jahren. Es lief also recht gut. Aber dann…
Dann kam der große Knall. Ups und Downs sind zwar normal im Agenturgeschäft, aber 2007 hat es uns schon doppelt hart getroffen. Zwei große Etats, darunter auch der von Drum, sind aufgrund von strategischen oder Wechseln in der Marketingleitung fast zeitgleich weggefallen. Das konnten wir so schnell gar nicht wegstecken. Meinen neuen Geschäftspartner musste ich ziehen lassen und so blieben plötzlich nur noch Jasmin Moritz, damals noch Grafik-Auszubildende (Anm. d. Red: Sie ist heute immer noch bei R&H und macht als Art Directorin einen ziemlich, ziemlich guten Job) sowie mein damals schon langjähriger Begleiter Marc Lütkemeier übrig und ich musste schauen ob und wie es weitergeht.
Hattest du in dieser Zeit irgendwann das Gefühl alles am liebsten hinzuschmeißen?
Klar. Wir haben nach diesem harten Cut praktisch einen kompletten Reset gemacht und uns in den folgenden zwei Jahren wieder Stück für Stück hochackern müssen. Gefühlt folgte auf jeden Erfolg, eine Enttäuschung und dann kommt man schon mal ins Grübeln. Wie oft möchte man es noch probieren? Alleine, im Team oder doch wieder irgendwo festangestellt?
Letztendlich ist mir irgendwann klar geworden, dass ich eher der Typ Team bin, sowohl wegen des Sparrings bei vielen Themen, aber auch weil die Verantwortung auf mehreren Schultern stabiler verteilt ist. Außerdem wurde mir klar, dass es mir nicht darum geht, den maximalen Profit für mich zu erzielen, sondern lieber gemeinsam mit Menschen etwas auf die Beine zu stellen. Marc war deshalb, nachdem wir bereits über viele Jahre hinweg gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet hatten, meine erste Wahl als zukünftiger Teilhaber. Und jetzt stell dir vor, er sagte ja!
Marc wird uns dazu bestimmt auch noch ein bisschen was erzählen. Kam denn mit dieser neuen Aufstellung auch die Wende?
Und wie! Plötzlich kam der Anruf von Reemtsma. Sie wollen mit JPS (Anm. d. Red.: Zigarettenmarke John Player Special) auf Festivals gehen. Zwei Wochen später rief dann auch Converse an. Wir seien ihnen empfohlen worden. Ob wir Bock hätten, die Festivallandschaft mit ihnen zu rocken? Und wir hatten Bock, keine Frage!
Damit ging es dann auch endlich wieder in die richtige Richtung für Rothkopf & Huberty – und die hält bis heute an!

Wow, wenn das nicht mal ein schöner Abschluss für unseren ersten Teil dieser Interviewreihe und ein positiver Ausblick auf die folgenden Jahre ist. Aber nach so viel Agenturgeschichte haben wir uns jetzt erstmal eine kleine Pause verdient. Gehen wir also in den Backstage-Bereich und genießen ein erfrischendes Kaltgetränk, bevor wir dann in den zweiten Part starten. So viel können wir jetzt schon verraten: Es gibt noch einiges zu erzählen! 😉
Wir sagen jetzt aber erstmal tschüß und viel Spaß bei der Fortsetzung…
Jetzt wird gebloggt!

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